Heilpflanzen-Lexikon

Kräuterleiste 

Heilpflanzen-Lexikon

Gegen alles ist ein Kraut gewachsen - in dieser alten Volksweisheit steckt viel Wahrheit. Doch nicht jede Pflanze hilft gegen alles. Um Kräuter und Heilpflanzen ihren Wirkstoffen und ihrer Wirksamkeit entsprechend passend einzusetzen, ist ein fundiertes Wissen auf dem Gebiet der Heilpflanzenkunde (Phytotherapie) notwendig.

In unserem alphabetisch geordneten Heilpflanzen-Lexikon haben wir für Sie kurze Portraits zu den am häufigsten verwendeten Heilpflanzen erstellt.

Klicken Sie auf die Pflanzennamen um die Portraits zu öffnen.

Die Aloe Vera
(Aloe Barbadensis Miller)
Aloe vera Die Aloe Vera ist ein wahres Multitalent unter den Heilpflanzen und weltweit in den Tropen sowie warmen Regionen verbreitet. Das Liliengewächs hatte lange Zeit das Image einer eintönigen Zimmerpflanze, wurde dann jedoch vor einigen Jahren als wertvolle Heilpflanze wiederentdeckt. Im Altertum galt das Gel der Aloe Vera als Schönheitsmittel. Ungewöhnlich komplex ist das Spektrum der Inhaltsstoffe: Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme, Aminosäuren, Lipide, Saponine, Lignine, Lektine und vor allem der hohe Gehalt an Mucopolysacchariden, denen immunstärkende Wirkungen zugeschrieben werden.

Das Gel aus den dickfleischigen Blättern wird vielseitig verwendet. In der Kosmetikindustrie in Seifen, Lotions, Cremes, Shampoos etc., da der Aloe Vera feuchtigkeitsspendende, hautaktivierende, zellregenerierende, kühlende sowie entzündungshemmende und antivirale Wirkungen eigen sind. Bewährt ist der Einsatz in der Volksmedizin seit Jahrhunderten aber vor allem bei Verbrennungen, Wunden, Frostbeulen und Ekzemen. Die moderne klinische Medizin setzt Aloe Vera u. a. innerlich bei der Behandlung von Magengeschwüren, Diabetes, Verstopfungen und rheumatischen Beschwerden ein.
Der Anis
(Pimpinella anisum)
AnisWir kennen den Anis einerseits als aromatisches Gewürz, andererseits als wertvolle Heilpflanze. Der einjährige Doldenblütler stammt ursprünglich aus der Mittelmeerregion und Vorderasien, wo er bereits im Altertum in Getränken, in Speisen und in Brot verarbeitet, darüber hinaus jedoch auch zur „Beduftung“ von Räumen genutzt wurde. Heutzutage verwenden wir die getrockneten Früchte, ganz oder gemahlen, sowie das durch Wasserdampf-Destillation gewonnene ätherische Öl primär zu medizinischen Zwecken wie auch vor allem in der Weihnachtsbäckerei. In Südeuropa bereitet man zudem diverse verdauungsfördernde Spirituosen aus Anis zu, wie etwa den Ouzo oder den Pastis.

In den Anisfrüchten finden sich neben fetten Ölen und Eiweiß vor allem Flavone, Cumarine, Mineralien und ein mit 3 - 4 % recht hoher Gehalt an ätherischen Ölen, allem voran das Anethol. Wissenschaftlich belegt ist die den Abtransport von Bronchialschleim fördernde Wirkung bei Atemwegserkrankungen, die entkrampfende Wirkung auf Magen und Darm, wie sie gegen Blähungen zum Beispiel in Babytees genutzt wird, und die antibakterielle, entzündungshemmende Wirkung. In der Volksmedizin wird Anis darüber hinaus gern zur Förderung der Milchbildung sowie zur Appetit- und Verdauungsanregung angewendet.
Die Arnika
(Arnica montana)
Arnika Der auch unter dem Namen „Bergwohlverleih“ bekannte Korbblütler wächst auf den Gebirgswiesen Europas und steht unter Naturschutz. Die krautige Pflanze kann bis zu 60 cm hoch werden. Medizinisch werden die aromatisch duftenden Blüten dieser wertvollen Heilpflanze verwendet. Sie enthalten unter anderem Sesquiterpenlactone (v. a. Helenalin), Flavonoide und ätherisches Öl (u. a. Thymol).

Die Einsatzmöglichkeiten für Arnika sind aufgrund ihrer antientzündlichen, schmerzlindernden, antimikrobiellen, durchblutungsfördernden und vor allem abschwellenden Wirkung vielfältig. So kommt Arnika vorzugsweise bei Prellungen, Quetschungen, Blutergüssen, rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden sowie bei Flüssigkeitsansammlungen in der Haut und Unterhaut (Ödemen) zum Einsatz. Darüber hinaus werden oberflächliche Venenentzündungen mit Arnikablüten in Form von wässrigen Umschlägen, Tinkturen oder Salben behandelt.

In klinischen Studien hat sich Arnika bei entzündlichen Gelenkerkrankungen (Arthritis) als ebenso wirksam wie Ibuprofen-Gel erwiesen.

Arnika-Zubereitungen dürfen niemals innerlich oder unverdünnt angewendet und auch nicht auf offene Wunden aufgebracht werden!
Der Baldrian
(Valeriana officinalis)
Baldrian Der Baldrian ist eine stark aromatisch duftende Pflanze aus der Familie der Baldriangewächse mit doldenartigen weiß- bis rosafarbigen Blütenständen. Die krautige Pflanze kann bis zu 1,80 m Höhe erreichen. Sie wächst in den gemäßigten Zonen der Erde.

Der lateinische Name („valere“ = kräftig, gesund sein) weist bereits auf die Heilkraft des Baldrians hin. Pharmazeutisch wird der Wurzelstock der Pflanze verwendet, der als wertbestimmende Inhaltsstoffe vor allem ätherisches Öl (u.a. Valerensäuren), Lignane und Flavonoide enthält.

Der Baldrian wirkt beruhigend, schlaf-, konzentrations- und leistungsfördernd, entkrampfend und muskelentspannend. Seine Wirksamkeit auf die Schlafqualität, die Verkürzung der Einschlafzeit und die Verbesserung der Tagesbefindlichkeit ist belegt. Die Heilpflanze ist jedoch kein Schlafmittel, sondern ein „Schlafbereiter“, der bei Unruhezuständen, nervös bedingten Einschlafstörungen, mentalem Stress und Prüfungsängsten sowie auch unterstützend bei einer Reizblase helfen kann. Der Baldrian wird in der Bevölkerung oft auch als „Angstlöser“ angesehen.

Zubereitungen aus der Baldrianwurzel kommen in der Praxis zudem bei Wechseljahrbeschwerden, Schilddrüsenüberfunktion und Bluthochdruck zum Einsatz.

Es gibt eine Fülle verschiedener Fertigpräparate am Markt.
Der Beinwell
(Symphytum officinale)
Beinwell Der Echte Beinwell zählt zu den Borretsch- oder Raublattgewächsen. Er wird in unseren Breiten seit über 2000 Jahren als Heilpflanze genutzt. Bereits der lateinische Name Symphytum (von „zusammenwachsen“) sowie der deutsche Name Beinwell („der den Gebeinen gut tut“) weisen auf dessen Anwendungsgebiet hin. Während man ihn früher vor allem bei Knochenbrüchen sowie offenen Wunden angewendet hat, wird heute ausschließlich die äußerliche Anwendung auf intakter Haut empfohlen. Von der in der Volksmedizin früher geläufigen innerlichen Verwendung wird aufgrund des Gehaltes an Pyrrolizidinalkaloiden dringend abgeraten.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe in der Wurzel, im Kraut und den Blättern sind neben einer Fülle an Schleimstoffen, Gerbstoffen und Cholin vor allem rund 0,8 Prozent Allantoin.

Die Heilpflanze wirkt entzündungs- und keimhemmend, schmerz- und reizlindernd, abschwellend, gewebsregulierend, wundreinigend und fördert das Zellwachstum sowie die Knochenheilung nach Brüchen.

Das Haupteinsatzgebiet von Beinwellzubereitungen in der Medizin in Form von Salben oder Extrakten, auch als Umschläge, sind Prellungen, Zerrungen sowie Verstauchungen. In der Volksmedizin kommt die Heilpflanze äußerlich auch bei Knochenbrüchen, Schleimbeutel- und Sehnenscheiden-entzündungen, Arthrosen, Arthritis sowie Schmerzen und Schwellungen von Muskeln und Gelenken zum Einsatz.
Die Birke
(Betula pendula)
BirkeDie Birke, die in unseren Breiten als Hänge- bzw. Weißbirke oder auch als Moorbirke auftritt, gehört mit ihren zarten, hellgrünen Blättern zum typischen Frühjahrsbild in der Natur. Der Baum kann bis zu 30 Meter hoch und 160 Jahre alt werden.

Zu Heilzwecken werden vor allem die Blätter, aber auch die Rinde bzw. der Rindensaft (Birken-Haarwasser), verwendet. Die Blätter enthalten Flavonoide, darüber hinaus auch Saponine, Gerbstoffe, ätherische Öle und vieles mehr. In der Volksmedizin schätzt man das junge Birkengrün für seine blutreinigenden, harntreibenden und anregenden Effekte. Im Fokus der modernen Pflanzenheilkunde steht die Unterstützung der Nieren-Blasenfunktion, vor allem bei Infekten der abführenden Harnwege. Dem im ätherischen Birkenöl enthaltenen Methylsalicylat wird zudem ein gewisses antientzündliches Potential nachgesagt. Das ätherische Öl ist übrigens auch dafür verantwortlich, dass frisch geschlagene Birke als Feuerholz verwendet werden kann.

In jüngster Zeit genießt vor allem der Stoff Betulin in der Birkenrinde besondere Aufmerksamkeit, da er sich bei verschiedenen Hauterkrankungen bewährt hat.
Der Bockshornklee
(Trigonella foenum graecum)
BockshornkleeDer Bockshornklee ist ein Klee-artiger Schmetterlingsblütler, der im Mittelmeerraum, in Vorderasien sowie in Indien und China beheimatet ist. Die Pflanze wird bis zu 50 cm hoch. Sie entwickelt Hülsenfrüchte, die 10 - 20 orange-gelbe, harte Samen enthalten. Diese wurden bereits im klassischen Altertum von den Ägyptern und Griechen als Schleimdroge bei Atemwegserkrankungen und Verdauungsproblemen verwendet.

Die aromatischen Bockshornkleesamen stellen eine Verbindung von Genuss- und Arzneimittel dar. So sind sie in Indien wesentlicher Bestandteil des „Currypulvers“ und werden in Südtirol traditionell als Brot- und Käsegewürz verarbeitet. Von pharmazeutischem Interesse sind vor allem der hohe Gehalt an Schleimstoffen, die Steroidsaponine sowie die Spuren ätherischen Öls in den Samen.

Bockshornkleesamen finden ihren Einsatz insbesondere bei Atemwegserkrankungen sowie zur Verdauungsregelung und Appetitanregung. Aufgrund ihrer Östrogen-wirksamen Komponente wird ihnen auch eine fördernde Wirkung auf die Milchbildung sowie beim Geburtsverlauf zugesprochen. Seit alters her werden die Samen zudem in Stärkungsmitteln für Mensch und Tier zur Überwindung von allgemeinen Schwächezuständen verarbeitet.
Die Brennnessel
(Urtica dioica)
BrennnesselDie Brennnessel ist eine Heilpflanze, die jeder kennt, aber keiner mag. Denn der Hautkontakt mit den Brennhaaren führt zu den bekannten schmerzhaften Quaddeln. Dabei zeichnet die Nessel eine einzigartige Kombination von Pflanzenwirkstoffen aus.

Die vitale Brennnessel ist reich an Vitaminen (A, Carotin, B2, Panthotensäure, C, K1, Folsäure), Enzymen, Gewebshormonen, Kieselsäure sowie Eisen, Kalium, Calcium und Natrium.

Im Mittelalter nutzte man die Pflanze zur Fertigung von „Nesselstoff“. Heute verwendet die moderne Medizin die Wurzeln zur Herstellung von Präparaten gegen Prostataleiden und das Kraut vor allem gegen Rheuma und Gelenkbeschwerden. Die Brennnessel wird ferner wegen ihrer die Bauchspeicheldrüse anregenden, mild blutdrucksenkenden, entzündungshemmenden, stoffwechselreinigenden und milchbildenden Wirkung geschätzt. Auch bei Ekzemen, Blutarmut und allgemeinen Erschöpfungszuständen kommt sie zur Anwendung. In der Tiermedizin und Tierernährung macht man sich die besonderen, den Stoffwechsel anregenden Eigenschaften dieser Heilpflanze zunutze. Bei den Tieren geht es primär um die vielseitig entzündungshemmenden Qualitäten der Brennnessel, die Anregung der Aufbaukräfte sowie die Stimulation der Nierentätigkeit und die damit forcierte Ausscheidung von Stoffwechselabbauprodukten.
Der Cayennepfeffer
(Capsicum frutescens)
Cayennepfeffer Das auch als Chili, Spanischer oder Scharfer Pfeffer bezeichnete Nachtschattengewächs stammt ursprünglich aus Lateinamerika. Die umgangssprachlich „Schoten“ genannten Früchte, eigentlich sind es Beeren, werden als scharfes Gewürz sowie als Heilmittel verwendet.

Bereits die Azteken nutzten die gemahlenen Früchte innerlich zur Verdauungsförderung sowie gegen Wurmbefall. Auch eine aphrodisierende Wirkung wurde dem Genuss von Cayenne-Pfeffer nachgesagt.

Die den Wert bestimmenden Inhaltsstoffe der Cayennepfeffer-Früchte sind 0,4-1% Capsaicinoide, darunter das Capsaicin, sowie Carotinoide und Flavonoide.

Neben der Verwendung als scharfes Gewürz, als Bestandteil in Tabasco oder Sambal Olek, wird der Cayennepfeffer nur in der Volksmedizin innerlich eingesetzt. Man nutzt ihn bei Verdauungsstörungen oder in Form einer Gurgellösung gegen Halsschmerzen und Kehlkopfentzündung.

In der modernen Medizin wird der Cayennepfeffer ausschließlich äußerlich als Tinktur, Salbe, Emulsion oder auch als (ABC-) Wärmepflaster angewendet. Die Wirkung des scharfen Bestandteils Capsaicin ist intensiv erforscht. Lokal angewendet wirken Capsaicin-Präparate nach dem Prinzip „Schmerz gegen Schmerz“. Unmittelbar nach dem Auftragen auf der Haut entstehen eine verstärkte Durchblutung, ein Schmerz- und ein Wärmegefühl. Kurz danach setzt eine Dämpfung des Schmerzempfindens ein. Capsaicin wirkt selektiv schmerzlindernd und unterdrückt Entzündungsreaktionen. Bei Hauterkrankungen, wie der Schuppenflechte, die mit einem starken Juckreiz verbunden ist, wird die Capsaicin-Wirkung als „kortisonähnlich“ beschrieben.

Haupteinsatzgebiete für Präparate auf der Basis von Cayennepfeffer sind Muskel- und Gelenksschmerzen, Nervenschmerzen und starker Juckreiz. Schleimhautkontakt ist bei Heilmitteln, die Zubereitungen aus Cayennepfeffer enthalten, unbedingt zu vermeiden. Sie dürfen auch nur auf intakter Haut angewendet werden.
Der Dill
(Anethum graveolens)
Dill Der Dill, auch als Gurkenkraut bekannt, ist ein Doldenblütler, der ursprünglich aus Vorderasien stammt.

Bereits im klassischen Altertum machte man sich die antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung des Samenöls zunutze. Im Mittelalter wurde der Dill bei uns in Klostergärten kultiviert und bei ganz verschiedenen Leiden eingesetzt. Er kam bei Verdauungsstörungen, wie zum Beispiel Magen-Darm-Krämpfen, bei Kopfschmerzen, zur Anregung der Milchbildung, zur Nervenberuhigung und zur Unterstützung des Schlafes zum Einsatz.

In der Gegenwart findet der Dill bei uns fast nur noch als Gewürzkraut Verwendung. Die Volksmedizin empfiehlt ihn darüber hinaus in Form von Tee als Sitzbad gegen Gebärmutterkrämpfe. In den Dillsamen sind bis zu 8% ätherische Öle enthalten, vor allem Carvon und Limonen, sowie Cumarin- und Kaffeesäurederivate. Diese Inhaltsstoffe sind für die verdauungsanregende, blähungstreibende und krampflösende Wirkung im Verdauungstrakt, ähnlich wie beim Kümmel, verantwortlich.

Neuere Studien geben Hinweise darauf, dass Dillsamen progesteronfördernd sind, was die in der Volksmedizin beschriebene Anwendung bei Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit stützen würde. Auch eine Wirkung auf das Immunsystem wird diskutiert.
Der Eibisch
(Althaea officinalis)
Eibisch Der Echte Eibisch oder auch Arznei-Eibisch ist ein mehrjährig krautiges Malvengewächs. Er wird unter der Bezeichnung „Weiße Malve“ gern als dekorative Gartenpflanze kultiviert und kann eine Höhe von bis zu 1,50 Meter erreichen.

Ursprünglich stammt die Heilpflanze aus der Steppenzone Südrusslands und Kasachstans. Sie wurde von dort in den Mittelmeerraum gebracht.

Die Eibischwurzel hat man ursprünglich auch gegessen, ebenso das Kraut und die Blüten. Aus den klebrigen Komponenten der Eibischwurzel wurde später, zusammen mit anderen Zutaten, der Vorläufer des Marshmallows („Mäusespeck“) hergestellt, was sich heute noch im gleichlautenden, englischen Namen des Eibischs widerspiegelt.

Der Eibisch ist eine typische „Schleimdroge“. In seinen Wurzeln sind bis zu 15 % Schleimstoffe enthalten, ferner Pektine und Stärke. Die Eibischblätter enthalten darüber hinaus ein ätherisches Öl sowie Flavonoide. Eibischzubereitungen werden vor allem bei trockenem Reizhusten angewendet sowie zur Reizmilderung bei Entzündungen im Mund-Rachenraum und leichten Entzündungen der Magen-Schleimhaut. Neben der primär reizmildernden und schleimhautschützenden Wirkung hat der Eibisch entzündungshemmende sowie immunstabilisierende Effekte und erhöht darüber hinaus die Zellvitalität.
Die Eiche
(Quercus robur L.)
Eiche Die Eiche ist als vermeintlich urdeutscher Baum bekannt, wenngleich sie in ganz Europa, Kleinasien und den Kaukasusländern heimisch ist. Der kraftvolle Baum mit seiner mächtigen Krone und den knorrigen Ästen kann über 1000 Jahre alt werden. In der Mythologie der Germanen und Kelten genoss die Eiche höchste Verehrung. Einen Extrakt der Eichenrinde verwendete man früher zum Gerben von Leder.

Doch auch die moderne Medizin weiß die Wirkstoffe, die in der Zweig- oder Stammrinde von jungen bis zu 20 Jahre alten Stieleichen enthalten sind, zu schätzen. Diese Rinde wird aufgrund ihrer silbrig-grau glänzenden Oberfläche als „Spiegelrinde“ bezeichnet. In ihr sind je nach Alter der Zweige 8-20% wasserlösliche Gerbstoffe sowie Flavonoide enthalten. Die Inhaltsstoffe in der Eichenrinde wirken zusammenziehend, virus-, entzündungs- und sekretionshemmend, blut- und juckreizstillend, durchfallhemmend, gewebeverdichtend und desinfizierend. Während Zubereitungen aus der Eichenrinde durch Abkochung oder industriell gefertigte Dickextrakte innerlich bei unspezifischen, akuten Durchfallerkrankungen eingesetzt werden, verwendet man sie äußerlich bei entzündlichen Hauterkrankungen, zum Beispiel bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie im Genital- und Analbereich, aber auch bei vermehrter Fußschweißbildung.
Die Engelwurz
(Angelica archangelica)
Engelwurz Die Echte Engelwurz oder Angelikawurzel ist ein Doldenblütler, der ursprünglich aus dem Norden Europas sowie Asiens stammt. Die angenehm aromatisch duftende Heilpflanze wird mannshoch.

Man verwendet ihre trockene Wurzel sowie Zubereitungen daraus. Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe der auch als Arznei-Engelwurz bezeichneten Pflanze sind ätherisches Öl und Cumarinderivate. Die Engelwurz hat entkrampfende, galleanregende sowie die Magensaft- und Bauchspeicheldrüsen-Sekretion stimulierende Wirkung, sie agiert leicht blähungstreibend, antidepressiv, schmerzlindernd sowie keimhemmend.

Die Haupteinsatzgebiete für diese Heilpflanze sind Appetitlosigkeit und unspezifische Beschwerden im Verdauungstrakt. Die Engelwurz wird als Teeaufguss, Sud oder Tinktur angewendet, meist jedoch in Form von Likör oder Schnaps.

Die Volksmedizin schätzt die Engelwurz seit vielen Jahrhunderten als Stärkungsmittel in der Rekonvaleszenz und gegen Schlaflosigkeit. Äußerlich wurde die Wurzel früher bei Rheuma und Nervenschmerzen angewendet.
Der Gelbe Enzian
(Gentiana lutea)
Enzian„…so blau, blau, blau blüht der Enzian…“, heißt es in einem bekannten Lied, und prägt damit unsere Vorstellung vom Enzian im Allgemeinen.

Als Heilpflanze wird jedoch der hoch gewachsene Gelbe Enzian eingesetzt, der in den mittel- und südeuropäischen Gebirgen zu Hause ist. Die mehrjährige kräftige Pflanze, die bis zu 150 cm Höhe erreichen kann, benötigt 8 - 12 Jahre, bis sie das erste Mal zum Blühen kommt.

Der Gelbe Enzian wurde durch die arzneiliche Nutzung sowie vor allem durch die Herstellung von Enzianschnaps aus seiner bis zu 6 kg schweren Wurzel an den Rand der Ausrottung gebracht und steht daher unter Artenschutz. Der Anbau erfolgt heutzutage in speziellen Kulturen. Für die Verwendung als Arzneipflanze wird Ende Mai geerntet, wenn der Gehalt an den Bitterstoffen Gentianopicrin und Amarogentin in der Wurzel am höchsten ist. Der Bitterwert ist enorm - noch in einer Verdünnung von 1:58 Millionen schmeckt der Extrakt bitter.

Die Enzianwurzel wird vorrangig zur Appetitanregung sowie zur Förderung der Verdauungsleistung von Magen und Darm, Galle und Bauchspeicheldrüse, jedoch auch bei entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt. In der Volksheilkunde wird der Gelbe Enzian darüber hinaus als allgemeines Stärkungsmittel genutzt.
Der Fenchel
(Foeniculum vulgare)
Fenchel Der Fenchel ist ein Doldenblütler und ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet. Er kann bis zu 2 Meter Höhe erreichen. Uns ist der Fenchel heute sowohl als Heil- wie auch als Gewürzpflanze vertraut. Die Wurzelknolle wird darüber hinaus als Gemüse verwendet.

Schon in den Hochkulturen der Antike waren die Fenchelfrüchte, die „Fenchelsamen“, als Heilmittel bekannt. Später schrieb dann Kaiser Karl der Große den Anbau des Fenchels nördlich der Alpen vor. Die großen Ärzte des Mittelalters sowie der beginnenden Neuzeit verweisen auf den Fenchel als besondere Heilpflanze gegen vielfältige Gesundheitsstörungen. Pfarrer Kneipp lobt die Wirkung des Fenchel-Tees vor allem bei Husten, Lungenleiden und als krampflösendes Mittel bei Keuchhusten und Asthma.

Die wirksamen Inhaltsstoffe sind in den süßlichen Fenchel-Früchten, die einen sehr hohen Anteil an ätherischen Ölen (50 - 70 % Anethol, 12 - 18 % Fenchon) enthalten, zu finden. Diese besitzen entzündungshemmende Eigenschaften. Fenchel wird vor allem als bewährtes, beruhigendes Hustenmittel eingesetzt, da er schleimlösend und entkrampfend auf die Bronchien wirkt. Darüber hinaus regt Fenchel die Verdauungsdrüsentätigkeit sowie den Appetit an und ist blähungstreibend. Ebenso wie der Anis wirkt auch der Fenchel milchbildungsfördernd. Er wird daher gern von stillenden Frauen in Form von Fencheltee angewendet
Die Fichte
(Picea abies)
Fichte Die Fichte aus der Familie der Kieferngewächse ist uns allen vertraut. Neben der Nutzung als Holzlieferant wird der Nadelbaum mit seinen frischen Fichtennadeln und dem darin enthaltenen Fichtennadelöl auch phytotherapeutisch genutzt.

Das Fichtennadelöl enthält ätherisches Öl mit 20 - 45 % Bornylacetat und 1 - 8 % Borneol sowie Terpenverbindungen. In den Fichtennadeln sind darüber hinaus Flavonoide zu finden. Die Ätherisch-Öl-Droge hat primär schleimlösende, durchblutungsfördernde und antimikrobielle Wirkungen. Bei Entzündungen in den oberen und unteren Atemwegen erfolgt die Anwendung sowohl innerlich (Teeaufguss oder Inhalation) als auch äußerlich per Einreibung oder als Vollbad bei Muskel- und Nervenschmerzen.

Auch Harzbalsame („Terpentin“) von Fichten werden seit Jahrtausenden zu Heilzwecken verwendet. Diese Gemische aus Baumharz und ätherischen Ölen haben durchblutungsfördernde und keimtötende Eigenschaften. Sie werden daher bei Gelenkentzündungen und rheumatischen Beschwerden eingesetzt sowie bei Ekzemen und Furunkeln zur Unterstützung der Wundheilung. Durch Wasserdampf-Destillation lässt sich aus dem Harzbalsam das ätherische Öl, das Terpentinöl, gewinnen.
Die Goldrute
(Solidago virgaurea)
Goldrute Es gibt weltweit über 200 verschiedene Solidago-Arten. Die leuchtend goldgelben Kerzenrispen sowie die Blätter der Echten Goldrute sind auf ihre Inhaltsstoffe und die Heilwirkung am besten untersucht.

Der Korbblütler enthält Saponine, Flavonoide, ätherische Öle, Bitterstoffe und Gerbstoffe. Das Kraut wird als Aufguss, Tee oder Tinktur verwendet.

Die Goldrute ist seit dem Mittelalter als Heilmittel in der Verwendung, soll der Überlieferung nach jedoch bereits von den Germanen als Wundheilmittel sehr geschätzt worden sein. Heute dagegen betrachtet man die Goldrute als eines der besten Heilkräuter zur Unterstützung der Nieren. Sie kommt bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, bei Blasenentzündungen, bei Reizblase, vorbeugend bei Harnsteinen und Nierengrieß zum Einsatz.

Durch ihre ausleitende Wirkung wird die Goldrute in der Volksmedizin auch bei Arthrose, rheumatischen Beschwerden, Hautleiden sowie bei Ödemen, die durch eingeschränkte Herz- und Nierenfunktion bedingt sind, geschätzt. Zudem setzt die traditionelle Medizin den Tee aus dem Kraut der Goldrute bei Entzündungen im Mund-Rachenraum und bei eitrigen Wunden ein.

Neuere wissenschaftliche Studien geben Hinweise darauf, dass die Goldrute möglicherweise auch "Anti-Tumor-Eigenschaften", beispielsweise bei Prostatatumoren, hat.
Die Himbeere
(Rubus idaeus)
HimbeerblätterDer Himbeerstrauch gehört zu den Rosengewächsen. Im Alltagsleben nehmen wir die Himbeere meist nur aufgrund ihrer leckeren gesunden Früchte wahr. Doch vor allem auch die Himbeerblätter haben eine lange Tradition in der Volksmedizin. In den letzten Jahren beschäftigt sich aufgrund der zu beobachtenden Wirksamkeit im geburtsnahen Zeitraum zunehmend auch die moderne Pharmakologie mit ihnen.

Himbeerblätter sind reich an Gerbstoffen, Flavonoiden und Schleimstoffen. Darüber hinaus enthalten sie viel Vitamin C sowie Calcium und Eisen.

Himbeerblätter werden in der Volksmedizin und Erfahrungsheilkunde wegen ihrer östrogenähnlichen Wirkung vor allem in „Frauentees“ verwendet. Erfahrene Hebammen setzen seit jeher in den letzten Wochen der Schwangerschaft sowie zur Geburtsvorbereitung, zur Erleichterung der Geburt und zur Verkürzung der Eröffnungsphase gern auf Tees, in denen Himbeerblätter einen wesentlichen Anteil haben. Diese stärken das Gewebe, lockern die Muskulatur der Gebärmutter und reduzieren Blutungen nach der Geburt.

Neben diesem Verwendungszweck nutzt man die zusammenziehenden, entzündungshemmenden und stimulierenden Himbeerblätter in der traditionellen Anwendung zudem bei Magenbeschwerden, Durchfällen, Hämorrhoiden, Fieber und Erkältung sowie als Gurgellösung bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum und sogar bei Stimmungsschwankungen.
Der Hopfen
(Humulus lupulus)
Hopfen Der Echte Hopfen ist eine uralte Kulturpflanze aus der Familie der Hanfgewächse. Die ausdauernde Kletterpflanze der gemäßigten Regionen Europas und Asiens kann eine Höhe von 3 bis 6 Metern erreichen. Es gibt weibliche und männliche Pflanzen. Die so genannten Hopfenzapfen der weiblichen Blüten werden zum Bierbrauen sowie für medizinische Zwecke verwendet.

Der bittere Hopfen stellt eine wichtige Bierzutat dar, die sowohl der Aromatisierung als auch der Haltbarmachung dient.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe der Hopfenzapfen sind 15 - 30 % Harz (u. a. mit den Bitterstoffen Humulon und Lupulon), Pflanzenfarbstoffe, Phenolsäuren, Flavonoide und ätherisches Öl. Sie wirken beruhigend sowie schlaffördernd, antibakteriell, appetit- und verdauungsanregend. Darüber hinaus wird dem Hopfen eine östrogenähnliche Wirkung nachgesagt. Im Experiment hat man zudem krebshemmende und antioxidative Effekte nachweisen können.

Eine bewährte Heilpflanzenkombination bei Unruhezuständen oder Schlafstörungen ist die aus Extrakten des Hopfens sowie der Baldrianwurzel.

Die Volksmedizin verwendet den Hopfen bei Wechseljahrsbeschwerden sowie bei Reizblase und nächtlichem Einnässen.

Neuere Studien geben Hinweise auf mögliche Effekte des Hopfens zur Wirkungsverstärkung von Antibiotika und Chemotherapeutika.
Der Ingwer
(Zingiber officinale)
Ingwer Die asiatische Küche und Medizin kennt die aromatischen Wurzelknollen (Rhizom) des Ingwers seit vielen Tausend Jahren. Ursprünglich in Südostasien beheimatet, wird der schilfähnlich aussehende bis zu 1 Meter hohe Ingwer heute vielerorts in den Tropen und Subtropen angebaut.

In der traditionellen indischen und chinesischen Medizin wird die Ingwer-Wurzelknolle vor allem als Tee zum Schutz vor Erkältungen und zur innerlichen Wärmung angewendet. Außerdem wird Ingwer entweder frisch oder getrocknet zur Stärkung der Verdauungsfunktionen, zur Appetitanregung, gegen Übelkeit und Rheumatismus sowie zur Kräftigung des Kreislaufs eingesetzt.

Wesentliche den Wert bestimmende Inhaltsstoffe der Ingwerknolle sind die Scharfstoffe Gingerole und Shogaole sowie ätherisches Öl (Zingiberen, Zingiberol). Die moderne westliche Medizin hat den Ingwer vor allem wegen seiner entzündungshemmenden, antibakteriellen, schmerzlindernden, leberschützenden und antitumoralen Wirkungen im Visier. Doch auch die Wirkung bei grippalen Infekten und Übelkeit, die verdauungsfördernden und herzkräftigenden Effekte sowie die entzündungshemmenden Eigenschaften bei Rheuma konnten in klinischen Versuchen nachgewiesen werden.
Das Johanniskraut
(Hypericum perforatum)
Johanniskraut Das Johanniskraut zählt zu den bekanntesten Heilpflanzen Europas. Seine Heilkraft wurde bereits von Hippokrates, der als Begründer der Medizin als Wissenschaft gilt, um 400 vor Christus genutzt. Im Mittelalter war es der Arzt Paracelsus, der intensiv die Heilwirkung des Johanniskrauts beschrieb.

Die wertvolle Heilpflanze wächst meist an sonnigen, oftmals steinigen Plätzen. Um den Johannitag (24. Juni) blüht sie mit gelb leuchtenden Blütenstauden. Der tief blutrote Saft, der beim Zerquetschen der Knospen und Blüten hervortritt, wird in der Heilkunde besonders geschätzt.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe dieser Pflanze sind vor allem das Hypericin und das Hyperforin sowie Flavonoide. In den letzten 30 Jahren hat sie ein kometenartiges Comeback als Phytotherapeutikum zur oralen Einnahme bei verschiedenen Formen der Depression erfahren.

Äußerlich wird Johanniskraut in Form von öligen Extrakten (Johanniskrautöl, Rotöl) bei Mensch und Tier eingesetzt. Man nutzt vor allem die entzündungshemmende, durchblutungsfördernde, antibakterielle und antivirale Wirkung zur Wundbehandlung bei Schürfwunden, Hautverbrennungen, auch Sonnenbrand, und Entzündungen, als Einreibung bei rheumatischen Schmerzen und zu Sportmassagen. In Tierversuchen hat man zudem stressmildernde und angstlösende Effekte feststellen können.
Die Kamille
(Matricaria chamomilla)
KamilleDie in ganz Europa heimische Echte Kamille ist wohl eine der beliebtesten Heilpflanzen in Deutschland. Der Korbblütler, der gern auf Getreidefeldern wächst, ist keinesfalls das „Unkraut“, als das es oft wahrgenommen wird. Bereits in der Antike wurde die Kamille aufgrund ihrer vielseitigen Heilwirkung geschätzt. Die nordischen Völker weihten die Kamille als heilige Pflanze ihrem Sonnengott Baldur.

Die Echte Kamille ist im Unterschied zur Hundskamille am hohlen Blütenkörbchen zu erkennen. Nur die aromatischen Blüten der Echten Kamille werden medizinisch als Teeaufguss oder Tinktur verwendet.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe der Kamillenblüten sind 0,3 - 1,4 % ätherisches Öl, bis zu 6 % Flavonoide sowie Pektine und Schleimstoffe. Bei der Destillation der Kamillenblüten bildet sich ein zäh fließendes, dunkelblaues ätherisches Öl. Dessen Hauptbestandteile sind das Azulen („azur“ = blau) und das Bisabolol. Auf diesen beiden Komponenten im ätherischen Öl beruhen die entzündungshemmenden Eigenschaften der Kamille. Auch Bakterientoxine können von dem ätherischen Öl der Kamille inaktiviert werden. Des Weiteren wirkt das Öl entkrampfend im Magen-Darm-Trakt und stark desinfizierend. Daher werden Zubereitungen aus der Heilpflanze gern zur Wunddesinfektion, zur Förderung der Wundheilung und auch zur Spülung bei Schleimhaut- und Zahnfleischverletzungen sowie bei Ekzemen und Geschwüren verwendet. Wässrige Kamillen-Zubereitungen, die vor allem die Flavonoide enthalten, eignen sich hervorragend bei Erkrankungen, wie Magen-Schleimhautentzündungen, Dünn- und Dickdarmentzündungen, Gallenwegserkrankungen und Blähungen. Auch immunstimulierende Wirkungen werden der Kamille zugesprochen. Bei Erkältungen und gereizten Atemwegen wird gern auf die Inhalation von Kamillendämpfen gesetzt.

Laut einer Studie hat die Kamille zudem angstlösende beruhigende Effekte. Das dafür zuständige Flavonoid Apigenin spricht die entsprechenden Regionen im Hirn ebenso gut wie chemisch-synthetische Präparate an.

Kein Wunder, dass das Multitalent Kamille zu den bei uns meistgenutzten Heilpflanzen zählt.
Der Knoblauch
(Allium sativum)
KnoblauchDie Knoblauchzwiebel ist uns vor allem als aromatisches Küchengewürz vertraut. Der Knoblauch ist jedoch auch eine vielseitige Heilpflanze. Das bis zu 70 cm hohe Lauchgewächs stammt ursprünglich aus Zentralasien und gelangte über den Mittelmeerraum zu uns.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe sind verschiedene schwefelhaltige Verbindungen und deren Abbauprodukte. Das in der frischen Knoblauchzwiebel mit rund einem Prozent enthaltene geruchlose Alliin, eine schwefelhaltige Aminosäure, wird beim Zerkleinern der Knoblauchzehen durch eine chemische Reaktion zum geruchsintensiven Allicin umgewandelt. Weitere wertvolle Inhaltsstoffe sind Vitamine, Schleimstoffe, Flavonoide und Saponine.

In der Heilkunde werden Zubereitungen des Knoblauchs meist frisch, getrocknet als Pulver, auch in Kapseln, seltener als Ölauszug oder Destillat, verwendet.

Der Knoblauch wirkt antibakteriell, antiviral, antimykotisch sowie zellschützend. Darüber hinaus hat er einen senkenden Effekt auf den Blutfettspiegel sowie den Blutdruck, verbessert die Gefäßelastizität, verdünnt das Blut und wirkt vorbeugend gegen Arteriosklerose. Auch eine Wirkung gegen Krebszellen konnte im Zellmodell nachgewiesen werden.

In der Volksmedizin wird der Knoblauch seit jeher zur Unterstützung der Aufmerksamkeit, vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten sowie zur Anregung des Magen-Darm-Trakts und äußerlich gegen Warzen eingesetzt.

Neue Forschungen weisen auf immunstärkende Effekte des Knoblauchs hin. Derzeit wird geprüft, ob er auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Parasiteninfektionen und allergischem Asthma wirksam ist.
Der Kümmel
(Carum carvi)
KuemmelDer Kümmel ist uns vor allem als aromatisches Küchengewürz für schwer verdauliche Speisen vertraut. Andererseits ist er in unseren Breiten auch eine altbewährte geschätzte Heilpflanze.

Unter den drei Doldenblütlern Anis, Fenchel und Kümmel ist er das Gewürz mit der stärksten Wirkung gegen Blähungen und Magen-Darm-Krämpfe. Von den dreien ist der Kümmel zudem die Pflanze mit der nördlichsten Verbreitung. So hat man ihn bei uns in jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlungen gefunden, während er den Ärzten der Antike unbekannt war.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe der Kümmelpflanze befinden sich in den harten Samen, die bis zu 3 % ätherische Öle enthalten. 50 - 60 % davon fallen auf das Carvon, über 30 % auf das Limonen. Darüber hinaus enthalten die dunklen Kümmelfrüchte Flavonoide.

Kümmel ist blähungstreibend, krampflösend, gärungswidrig, er fördert die Durchblutung der Magen-Darm-Schleimhaut und wirkt darüber hinaus antimikrobiell sowie antioxidativ. Blähungen, Koliken und Magen-Darm-Krämpfe sind das Haupteinsatzgebiet für den Doldenblütler. Er regt zudem den Appetit, die Verdauung und den Gallefluss an. Daher ist er auch in Form von Kümmelschnaps („Köm“) beliebt.

Eine weitere interessante Wirkung des Kümmels ist die Förderung der Milchbildung. Vielen jungen Müttern wird der „Milchbildungstee“ aus Anis, Fenchel und Kümmel ein Begriff sein. Auch beim Vieh ist der Kümmel sehr begehrt.

Man verwendet die Kümmelfrüchte im Hausgebrauch meist gequetscht als Tee oder Aufguss, als Pulver zum Einnehmen oder man zerkaut sie. Aus den angestoßenen Samen werden auch alkoholische Tinkturen zubereitet oder es wird das ätherische Kümmelöl angewendet.
Der Echte Lorbeer
(Laurus nobilis)
Lorbeer Der Echte Lorbeer oder Gewürzlorbeer aus der Familie der Lorbeergewächse stammt ursprünglich aus Vorderasien und hat sich später über den Mittelmeerraum verbreitet. Der Lorbeerbaum kann bis zu 10 Meter Höhe erreichen, er trägt lederartige, immergrüne und aromatisch duftende Blätter.

Während früher sowohl die Blätter als auch die Früchte des Echten Lorbeers in der Heilkunde eingesetzt wurden, verwendet man heute vor allem die Blätter als Küchengewürz. Sowohl die Blätter als auch die schwarzblauen etwa kirschgroßen Früchte sind reich an ätherischen Ölen. Die „Lorbeeren“ enthalten ätherisches Öl mit Cineol und Pinen sowie fettes Öl mit Laurin-, Öl-, Palmitin- und Linolsäure, Phytosterinen und Laurinalkohol.

Das aus Lorbeerfrüchten gewonnene Lorbeeröl wurde in der Vergangenheit äußerlich bei Geschwüren, Prellungen, rheumatischen Beschwerden, zur Insektenabwehr sowie aufgrund seiner hautreizenden Wirkung zur Stimulierung des Hornwachstums am Pferdehuf genutzt. In der Volksmedizin wird die Verwendung gemahlener Lorbeerfrüchte bei Erkrankungen der Verdauungsorgane sowie zur Steigerung der Harnausscheidung beschrieben. In alten Büchern zur Heilkunde finden sich Hinweise, dass die Verabreichung von Lorbeeren die Entbindung erleichtert und den Abgang der Nachgeburt anregt.
Der Löwenzahn
(Taraxacum officinale)
LoewenzahnDer Korbblütler, der im Frühjahr die Wiesen mit seinen leuchtend gelben Blüten überzieht, wird meist als Unkraut angesehen. Doch schon in der Antike hat man ihn als Heilpflanze genutzt.

Der vitale Löwenzahn ist auf der nördlichen Halbkugel weit verbreitet und besiedelt sowohl fruchtbare Böden als auch steiniges Terrain, er gedeiht im Licht und im Schatten. Seine tief reichende kräftige Pfahlwurzel verankert ihn fest in der Erde.

In der Naturheilkunde werden das Kraut sowie die Löwenzahnwurzel verwendet. Die wertbestimmenden Inhaltstoffe sind vor allem Bitterstoffe, Triterpene, Phytosterole, Flavonoide und Schleimstoffe. Darüber hinaus ist die Pflanze reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Im Herbst enthält die Wurzel bis zu 40 % Inulin, ein Prebiotikum, das der gesunden Darmflora als Nahrungsgrundlage dient.

Haupteinsatzgebiete bei innerlicher Anwendung sind vor allem Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und Funktionsstörungen von Leber und Galle. Zusammen mit Mariendistel und Artischocke wird der Löwenzahn zu den wichtigsten „Leberpflanzen“ gezählt. Die Volksmedizin nutzt ihn darüber hinaus als Stärkungsmittel bei geschwächten Patienten, zur Unterstützung der Ausleitung von Giftstoffen über die Nieren, bei Gicht und Rheuma, Hautleiden sowie zur Entwässerung bei Ödemen.

In jüngster Zeit beschäftigt sich auch die Krebs-Forschung mit dem Einsatz von Löwenzahnextrakt.
Das Mädesüß
(Spiraea ulmaria)
MädesüßDas Mädesüß ist ein aromatisches krautiges Rosengewächs, das bei uns häufig auf feuchten Wiesen und an Bachläufen gedeiht. Der Name soll von dem nach der Mahd entströmenden süßlichen Duft herrühren.

Das auch Spierkraut genannte Mädesüß ist eine alte Heilpflanze, zu der es jedoch kaum schriftliche Überlieferungen gibt. In Frankreich und Belgien hat man die Blüten früher auch zum Aromatisieren von Süßspeisen sowie von Wein verwendet.

Für Heilzwecke werden vor allem die Blüten, aber auch die oberen Krautpartien verwendet. Sie enthalten ätherisches Öl, das sich aus rund 75 % Salicylaldehyd und Salicylsäuremethylester zusammensetzt, zusätzlich bis zu 5 % Flavonoide sowie Gerbstoffe. Die Salizylate, die übrigens auch in der Weidenrinde vorkommen, waren in der Arzneimittelforschung Vorbild für die Entwicklung von Acetylsalicylsäure (ASS). Der bekannteste Vertreter, das Aspirin®, leitet seinen Markennamen vom lateinischen Namen des Mädesüß ab. Die Salizylate als natürliche Vorlage sind deutlich besser verträglich als ASS, da die Verstoffwechselung zur Salicylsäure, die schädigend auf die empfindliche Magenschleimhaut einwirken kann, erst in der Leber erfolgt.

Die Heilpflanze wirkt entzündungshemmend, zusammenziehend, fiebersenkend und harntreibend. Es werden auch keimtötende und schmerzlindernde Effekte beschrieben. In Folge dessen wird das Mädesüß vor allem bei Erkältungskrankheiten mit Fieber, bei Kopfschmerzen, rheumatischen Beschwerden, Gicht, Nieren- und Blasenerkrankungen sowie bei Ödemen angewendet.
Die Mariendistel
(Silybum marianum)
MariendistelDie dekorative Mariendistel mit ihrem Blütenkorb aus einem üppigen Büschel violetter Röhrenblüten ist ursprünglich in Südeuropa und Nordafrika beheimatet.

Auf dem Blütenboden der in Frankreich auch als „Wilde Artischocke“ bezeichneten Pflanze reifen die schwarzglänzenden, hartschaligen Samen. In diesen sind neben dem fetten Öl mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren als wertbestimmende Inhaltsstoffe vor allem Flavonoide zu finden. Der leberwirksame Stoffkomplex Silymarin macht bis zu 3 % aus.

Die Früchte der Mariendistel wirken bei Lebervergiftungen und -problemen entzündungshemmend, membranstabilisierend und zellmembranschützend, antioxidativ, immunmodulierend sowie antifibrotisch. Silymarin wird in der Schulmedizin als das Leberschutzmittel bei Vergiftung durch den Knollenblätterpilz eingesetzt. Die Phytotherapie nutzt die Heilkraft der Mariendistelsamen zudem in der Regeneration nach vorangegangenen Vergiftungen, bei Verdauungsstörungen, Lebererkrankungen unspezifischer Ursache sowie bei Fettlebersyndrom. Heute gibt es daher wohl kein volkstümliches Leber-Galle-Mittel ohne Mariendistelauszüge.

In der Tiermedizin macht man sich die besonderen Eigenschaften dieser Heilpflanze zur Entlastung gestörter Leberfunktionen, die zum Beispiel durch Eiweißüberversorgung, Stoffwechselerkrankungen oder Mykotoxine im Futter entstanden sein können, zu Nutze.
Die Melisse
(Melissa officinalis)
MelisseDer ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum beheimatete Lippenblütler wird aufgrund seines aromatischen Dufts auch als „Zitronenmelisse“ bezeichnet. Wir verwenden das frische Kraut zum Würzen in der Küche, doch die Melisse ist zudem eine kraftvolle Heilpflanze.

Ihre wertbestimmenden Inhaltsstoffe sind bis zu 0,8 % ätherisches Öl, etwa 4 % Lamiaceen-Gerbstoffe (u. a. mit Rosmarinsäure und Kaffeesäure) sowie Flavonoide.

Die Melisse wirkt beruhigend, blähungstreibend, entkrampfend, antiviral und schwach antibakteriell. Sie kommt daher vorwiegend bei unspezifischen Magen-Darm-Beschwerden, nervös bedingten Einschlafstörungen sowie nervösen Herzbeschwerden zum Einsatz. In der Volksmedizin setzt man Melissenzubereitungen auch bei Wechseljahrsbeschwerden ein. Für den Hausgebrauch wird meist eine Teezubereitung angewendet, medizinisch verwendet man standardisierte Flüssig- oder Trockenextrakte sowie Frischpflanzenpresssaft.

Experimentelle und klinische Studien belegen, dass Melissen-Extrakte gegen Herpes-simplex-Infektionen (Lippenherpes) wirken. Melissen-Tee soll, neueren britischen Untersuchungen zufolge, das Gedächtnis stärken und die Aufmerksamkeit erhöhen können.
Die Gewürznelke
(Syzygium aromaticum)
Nelke Der immergrüne Gewürznelkenbaum stammt ursprünglich von den Molukken, einer Inselgruppe im Pazifik. Heutzutage wird der bis zu 20 Meter hoch wachsende Baum aus der Familie der Myrtengewächse in vielen tropischen Ländern kultiviert.

Schon im Altertum waren die aromatisch duftenden getrockneten Blütenknospen, die „Gewürznelken“, sehr begehrt. Die wie kleine Nägel aussehenden Knospen schmecken leicht süßlich und brennen scharf auf der Zunge. Sie enthalten große Mengen ätherisches Öl, welches zu 80 - 95 % aus der Substanz Eugenol besteht. Während man die Gewürznelken zum Würzen von Fisch-, Fleischgerichten, Rotkohl sowie zur Weihnachtszeit in Lebkuchen oder Glühwein verwendet, wird das Nelkenöl durch Destillation aus den getrockneten Knospen gewonnen.

Die Volksmedizin setzt dieses aufgrund seiner keimtötenden und schmerzstillenden Wirkung bei Schleimhautentzündungen in der Mundhöhle und Zahnschmerzen ein. Darüber hinaus hat sich Nelkenöl zur Verdauungsförderung, bei Blähungen und Magenschleimhautentzündung bewährt. Seiner schmerzstillenden, durchblutungsfördernden und entkrampfenden Eigenschaften wegen wird Nelkenöl auch in Balsamen zum Einreiben verwendet. Neuerdings findet vor allem das hohe zellschützende Potenzial des Nelkenöls Interesse.
Der Oregano
(Origanum vulgare)
Oregano Das Oreganokraut, auch Dost, Dorst oder Wilder Majoran genannt, ist den meisten von uns als typisches Pizzagewürz bekannt. Der Lippenblütler stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wird bei uns fast nur als mediterranes Gewürz verwendet.

Schilderungen zur Heilanwendung des Oregano aus der Antike oder dem Mittelalter sind unzuverlässig, da meist botanisch nicht eindeutig zugeordnet werden kann, um welche Pflanze der Gattung es sich handelt.

Das frische Oregano-Kraut enthält relativ viel Vitamin C. Zu Heilzwecken, bei Beschwerden im Verdauungstrakt und in den Atemwegen, verwendet man vor allem das getrocknete Kraut als Tee oder den Extrakt. Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe im Oregano sind ätherische Öle, darunter Thymol und Carvacrol, sowie Gerb- und Bitterstoffe. Die ätherischen Öle wirken stark keimtötend und entzündungshemmend. Der hohe Anteil an Phenolen hat eine antioxidative Wirkung, die Bitterstoffe und Öle regen den Appetit an.

Produkte auf Oregano-Basis werden in den letzten Jahren verstärkt in der Tierernährung eingesetzt.
Die Pfefferminze
(Mentha x piperita)
Pfefferminze Die Pfefferminze, ein Lippenblütler, ist ein Bastard der Krauseminze, der im 17. Jahrhundert in England unvermittelt entstanden ist. In der freien Natur kommt die Pfefferminze, die heute als Heil- und Gewürzpflanze aufgrund ihres hohen Mentholanteils sehr beliebt ist, ursprünglich nicht vor. Dagegen werden andere Minzen und ihre Anwendung in der Literatur der Antike und des Mittelalters beschrieben.

Heute wächst das frisch-aromatische Kraut bei uns in vielen Gärten und wird aufgrund seiner Beliebtheit und breiten medizinischen Anwendung in großem Umfang auf Feldern kultiviert.

Das Pfefferminzkraut enthält bis zu 4 % ätherische Öle, unter anderem einen hohen Anteil an Menthol, zusätzlich Cineol und Limonen. Darüber hinaus sind vor allem Flavonoide und Gerbstoffe in der Heilpflanze zu finden.

Die Inhaltsstoffe wirken verdauungsfördernd, appetitanregend, krampflösend, galletreibend, keimtötend, entzündungshemmend, lokal schmerzlindernd und allgemein kräftigend.

Innerlich werden die Heilpflanze und ihr ätherisches Öl vor allem bei Erkrankungen des Magen-Darmtrakts, Übelkeit und Erkältungen eingesetzt. Äußerliche Anwendung findet die Pfefferminze unter anderem bei Muskel-, Gelenk- und Nervenschmerzen, lokalem Juckreiz (z. B. Mückenstiche) und Kopfschmerz. Klinische Studien haben gezeigt, dass das Auftragen des Pfefferminzöls auf Stirn und Schläfen durch den Kältereiz ebenso effektiv gegen Spannungskopfschmerz wirkt, wie zwei Tabletten Paracetamol.

Pfefferminzzubereitungen sind bei Erkältungen auch als Inhalationen zur Erweiterung der Atemwege und für das erleichterte Abhusten sehr beliebt.
Die Quecke
(Elymus repens)
Quecke Die Gemeine Quecke ist ein krautiges Süßgras, das in den gemäßigten Regionen der gesamten Nordhalbkugel vorkommt. Die Gartenbesitzer bekämpfen es als Unkraut meist vergeblich, da sich die Quecke über ihre langen Wurzelausläufer schnell verbreitet. Diese enorme Ausbreitungskraft soll auch zum Namen „Quecke“ geführt haben, von althochdeutsch „queck“ für „lebendig“. Als „quicklebendig“ ist uns der Begriff heute noch vertraut.

Die sich rasch ausbreitenden unterirdischen Rhizome werden in der Heilkunde verwendet. Bereits in der Antike soll man bei Erkrankungen der Harnwege auf einen Teeauszug der Quecke gesetzt haben.

Der Wurzelstock ist reich an Polysacchariden (u. a. das Inulin-ähnliche Triticin), Schleimstoffen, Saponinen und Kieselsäure, darüber hinaus enthält er eine geringe Menge an ätherischen Ölen (Thymol, Carvacrol).

In der Phytotherapie macht man sich heute vor allem die antimikrobielle und leicht harntreibende Wirkung der Quecke zunutze. So wird sie bei entzündlichen Infekten der ableitenden Harnwege zur Durchspülung und vorbeugend gegen Nierengrieß verwendet. In der Volksmedizin kommt die Quecke aufgrund ihrer reizmildernden Eigenschaften auch bei Bronchialkatarrhen zum Einsatz. Außerdem wird sie zur „Blutreinigung“ bei Rheuma, Gicht und Hautproblemen angewendet.
Die Ringelblume
(Calendula officinalis)
Ringelblume Die Ringelblume, die in keinem Bauerngarten fehlen darf, stammt vermutlich ursprünglich aus der Mittelmeerregion. Der einjährige Korbblütler hat jedoch auch bei uns eine lange Tradition als wertvolle Heilpflanze.

Im 12. Jahrhundert beschreibt Hildegard von Bingen die Ringelblume in ihren medizinischen Schriften sehr umfassend. Während die Anwendung im Mittelalter vor allem innerlich bei Leber-Galle-Problemen und Übelkeit erfolgte, setzen wir die Calendula heute vorwiegend äußerlich zur Behandlung von Wunden, Entzündungen von Haut und Schleimhaut sowie Verletzungen ein.

Die wertbestimmenden Inhaltsstoffe sind in den Blütenblättern zu finden. Es handelt sich vor allem um Flavonoide, Saponine, Karotinoide und ätherisches Öl. Die Aufbereitung der Blüten erfolgt als Abkochung, Tinktur, Salbe oder Öl.

Auszüge der Ringelblume wirken keimtötend auf Bakterien, Viren und Hautpilze, sind entzündungshemmend, fördern die Wundheilung sowie Hautneubildung und gelten zudem als gewebsentwässernd. Die Calendula ist daher die Heilpflanze per se bei Riss-, Quetsch- oder Brandwunden, eitrigen Geschwüren, Haut- und Schleimhautschäden.
Der Rosmarin
(Rosmarinus officinalis)
RosmarinDer Rosmarin aus den felsigen Küstenregionen des Mittelmeerraums ist uns vor allem als Gewürzpflanze vertraut. Der immergrüne buschige Strauch kann bis zu 2 Meter Höhe erreichen, er verströmt einen intensiv aromatischen Duft.

In der Naturheilkunde werden die nadelartigen Blätter sowie das daraus gewonnene Rosmarinöl verwendet. Die Wirkstoffe sind vor allem das kampferähnliche ätherische Öl sowie Harze, Gerbstoffe, Flavonoide und Bitterstoffe. In unseren Breiten wird der Rosmarin seit dem Mittelalter geschätzt, mit Sebastian Kneipp erlebte er eine Wiederbelebung.

Haupteinsatzgebiete bei innerlicher Anwendung sind insbesondere die Aktivierung des Herz- / Kreislauf-Systems, die Appetit- und Verdauungsanregung, eine Stimulation der Blutzufuhr der Unterleibsorgane sowie eine allgemeine Stärkung des Organismus nach Erkrankungen sowie nervösen Erschöpfungszuständen. Äußerlich finden Rosmarinzubereitungen aufgrund ihrer durchblutungsfördernden Wirkung bei rheumatischen Erkrankungen, Gicht und Kreislaufbeschwerden Anwendung.

Erst in jüngerer Zeit hat man das hohe antioxidative, zellschützende Potential des Rosmarinextrakts entdeckt. Darüber hinaus konnte man für das Rosmarinöl eine keimtötende Wirkung nachweisen, die um ein Vielfaches stärker ist als die von Phenol.
Der Salbei
(Salvia officinalis)
Salbei Der Lippenblütler aus der Mittelmeerregion wird bei uns gern als Küchenkraut verwendet. Bereits sein lateinischer Name „Salvia“, von „salvare“ (= heilen), verweist auf die immense Heilkraft der Pflanze. Sie galt vielen daher über Jahrhunderte hinweg als Allheilmittel.

Die arzneilich genutzten Blätter enthalten als wertbestimmende Inhaltsstoffe 1 - 2,5 % ätherisches Öl, bis zu 8 % Lamiaceen-Gerbstoffe (u.a. Rosmarinsäure), Bitterstoffe, Steroide und Flavonoide.

Die Heilpflanze wirkt gegen Bakterien, Viren und Pilze. Sie hat zudem eine entzündungshemmende, zusammenziehende, sekretionsfördernde, schweißhemmende, appetitanregende, zellschützende und schwach blutzuckersenkende Wirkung. Das Haupteinsatzgebiet des Salbeis sind Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, unspezifische Magen-Darm-Beschwerden sowie vermehrte Schweißbildung. Klinische Studien dokumentieren darüber hinaus die Wirkung des Salbeiextrakts gegen Lippenherpes. Darüber hinaus ist der Einsatz gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren belegt.

In der Volksmedizin sind Salbei-Zubereitungen gegen Heiserkeit, Husten und Erkältung, als Beruhigungs- und allgemeines Stärkungsmittel, bei Blutungen, Zahnschmerzen und zur Wundheilung beliebt.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen geben Hinweise auf weitere, mögliche Einsatzgebiete dieser Heilpflanze. So soll der Salbei einen senkenden Einfluss auf die Blutfettwerte haben, bei Angststörungen helfen können und möglicher Weise die Symptome bei leichteren Formen von Alzheimer lindern sowie die geistigen Fähigkeiten steigern können.
Die Schafgarbe
(Achillea millefolium)
SchafgarbeDie Schafgarbe ist ein Korbblütler, der auf trockenen Wiesen sowie an Ackerrändern wächst und in ganz Europa verbreitet ist. Das komplette Kraut mit den feingliedrigen Blättern, dem Stängel sowie dem weißen Blütenschirm, der Scheindolde, wird als Arznei- und Teepflanze verwendet.

Die Hauptinhaltsstoffe der Schafgarbe sind Gerbstoffe, Flavonoide, ätherische Öle (mit Azulen) sowie eine Reihe von Mineralstoffen.

Aufgrund ihrer zusammenziehenden, blutstillenden und antibakteriellen Eigenschaften war die Schafgarbe von der Römerzeit bis noch zum zweiten Weltkrieg als „Soldatenkraut“ bekannt, mit dem auf den Schlachtfeldern die Wunden versorgt wurden. Der Sage nach soll auch Achilles, der Held des trojanischen Krieges, das Schafgarbenkraut zur Wundheilung verwendet haben, worauf der lateinische Name der Pflanze hinweist.

Heutzutage wird die Schafgarbe vor allem innerlich eingesetzt. Hierbei stehen meist die Anregung und Regulierung der Magen-Darmtätigkeit sowie Galle- und Nierenfunktion im Vordergrund. Ähnlich wie die Kamille kann die Schafgarbe auch eine wertvolle Hilfe bei Entzündungen sein. In der Volkskunde schreibt man dem bitter-aromatischen Kraut zudem eine den Kreislauf stabilisierende Wirkung zu.
Der Spitzwegerich
(Plantago Lanceolata)
SpitzwegerichDer bekannte Spitzwegerich ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Er wächst an Wegrändern und auf Wiesen. Die Heilpflanze aus der Familie der Wegerichgewächse kann eine Höhe von bis zu 40 cm erreichen.

Für medizinische Zwecke wird das ganze Kraut verwendet. Seine wertbestimmenden Inhaltsstoffe sind 2 - 3 % Iridoide (Glykoside), bis zu 6 % Schleimstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide und ätherisches Öl. Während die Schleimstoffe reizmildernd wirken, die Gerbstoffe zusammenziehend, agieren die Iridoide antibakteriell. Des Weiteren hat der Spitzwegerich entzündungshemmende und wundheilungsfördernde Eigenschaften. Er regt zudem die Interferonbildung im Körper an und erhöht damit in den Luftwegen die Abwehrkraft gegen Viren.

Hauptanwendungsgebiete für Zubereitungen aus Spitzwegerich (zerkleinerte Droge, Fluidextrakt oder Frischpflanzenpresssaft) sind Katarrhe in den Atemwegen, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und entzündete Hautveränderungen.

In der Volksmedizin hat der Spitzwegerich jedoch nicht nur eine lange Tradition als Hustenmittel. Gequetschte Blätter, direkt auf offene Wunden gelegt, wirken blutstillend und dienen zur ersten Wundversorgung. Auch gegen Insektenstiche wird die Heilpflanze gern verwendet.
Das Süßholz
(Glycyrrhiza glabra)
SuessholzDas Süßholz ist ein ausdauernder Strauch aus der Familie der Schmetterlingsblütler, der ursprünglich in der Mittelmeerregion beheimatet ist. Aus den getrockneten, geschälten Wurzelausläufern, der Süßholzwurzel, wird durch Auskochen und Eindicken der Süßholzsaft gewonnen.

Interessante Inhaltsstoffe sind vor allem das Saponin Glycyrrhizin (50 x süßer als Zucker), Phytosterole und zahlreiche Flavonoide.

Schon den Ägyptern und Griechen im Altertum war die Wirkung des Süßholz´ gegen Husten, Heiserkeit und Asthma bekannt. Die Heerscharen Alexander des Großen sollen auf ihren Feldzügen die Wurzel als Durstlöscher gekaut haben. Hildegard von Bingen empfahl die Wurzel bei Lungenleiden und Verdauungsbeschwerden. Auch bei „Magengeschwülsten“ wurde sie eingesetzt.

Heutzutage sind die schleimlösende, auswurffördernde Wirkung sowie die antientzündlichen, krampflösenden Eigenschaften und der Effekt gegen Magengeschwüre belegt. Die Trockendroge sowie der Süßholzwurzel-Extrakt wirken antiviral, antimykotisch und antibakteriell, der Wirkstoff Glycyrrhizin antiallergen, antitumoral und antioxidativ. Es wird der Süßholzwurzel auch nachgesagt, die Anpassungsfähigkeit in Stress-Situationen zu erhöhen.

Der eingedickte Süßholzsaft dient u. a. als Grundstoff für die Herstellung von Lakritz. Sein übermäßiger Verzehr führt jedoch zur Erhöhung des Blutdrucks, zu Wassereinlagerungen im Gewebe sowie zu einer Verringerung der Testosteron-Produktion.
Der Thymian
(Thymus vulgaris)
ThymianDer stark aromatisch duftende Thymian ist ursprünglich in den trockenen sonnigen Lagen der Mittelmeerregion und Südfrankreichs heimisch. Die für Gewürz- und Heilzwecke genutzte Pflanze wird heutzutage auch bei uns in vielen Gärten angepflanzt, sie ist jedoch nicht winterhart. Der Thymian gehört zur Familie der Lippenblütler und bildet einen Halbstrauch von 20 - 40 cm Höhe.

Thymian ist eine bereits im Altertum geschätzte Heilpflanze, die von den alten Ägyptern zum Einbalsamieren der Toten verwendet worden sein soll. Im Mittelalter erkannte man die heilende Wirkung des Krauts auf Lunge und Bronchien.

Heute weiß man, dass die wertbestimmenden Inhaltsstoffe des Thymians vor allem ätherische Öle (Thymol, Carvacrol), Bitterstoffe, Gerbstoffe und Flavonoide sind. Die ätherischen Öle regen die Funktion des Flimmerepithels in den Atemwegen an, führen zu einer Verflüssigung des Schleims und fördern den Auswurf bei Husten. Darüber hinaus hemmen Thymol und Carvacrol das Wachstum von Bakterien, Viren sowie Pilzen. Die im Thymian enthaltenen Gerbstoffe unterstützen die antientzündliche Wirkung und fördern die Verdauung.
Die Wegwarte
(Cichorium intybus)
WegwarteIm Jugendstadium noch dem Löwenzahn ähnlich, entwickelt sich die Wegwarte im zweiten Jahr buschartig auf eine Wuchshöhe bis über einen Meter. Der Korbblütler zeigt dann eine Vielzahl leuchtend blauer Blüten, die nur einen einzigen Vormittag geöffnet sind.

Die komplette, auch Zichorie genannte, Heilpflanze kann verwertet werden. Sie enthält Bitterstoffe, wie Lactucin und Lactucopikrin, die auf das gesamte Verdauungssystem, einschließlich Bauchspeicheldrüse und Milz, wirken sowie den Appetit anregen.

In der Pfahlwurzel der Wegwarte ist der Ballaststoff Inulin enthalten. Es handelt sich hierbei um einen unverdaulichen Zucker, welcher die positive Darmflora unterstützt und der Entwicklung krankheitserregender Bakterien im Darm entgegen wirkt. Darüber hinaus wirkt sich Inulin förderlich auf das Immunsystem aus.

Aus der gerösteten Wegwartwurzel wurde nach dem Krieg der auch „Muckefuck“ genannte Ersatzkaffee hergestellt. Von kultivierten Unterarten der Zichorie stammen der leicht bittere Chicorée-, der Radicchio- sowie der Endiviensalat.

Kurz, die Wegwarte ist eine wertvolle Heilpflanze vom Wegesrand, für die es vielfältige Verwendungsmöglichkeiten gibt.
Der Weißdorn
(Crataegus monogyna)
WeissdornDer im Frühjahr üppig weiß blühende Weißdorn ist ein bis zu 8 Meter hoher Baum, der in lichten Gebüschen und Hecken gedeiht. Er gehört zur Familie der Rosengewächse. Die regional auch als „Hagedorn“ bezeichnete Heilpflanze wurde bereits im Altertum geschätzt.

Medizinisch werden die Blätter und Blüten verwendet. Ihre wertbestimmenden Inhaltsstoffe sind vor allem Flavonoide, die für die Herzstärkung verantwortlich sind, und Procyanidine, die für eine verbesserte Organdurchblutung sorgen.

Der Weißdorn ist die Heilpflanze mit Fokus auf Herz und Kreislauf. Sie wirkt herzstärkend, erweiternd auf die Herzkranzgefäße, beruhigend, zellschützend, entzündungshemmend und verbessert die Durchblutung des Herzmuskels sowie die damit verbundene Leistungsfähigkeit. Aus diesem Grund wird die potente Heilpflanze bei Herzinsuffizienz, bei Herzrhythmusstörungen, zur Nachbehandlung von Herzinfarkten und allgemein beim „Altersherz“ eingesetzt. Auch bei Kreislaufstörungen, sowohl Bluthochdruck als auch zu niedrigem Blutdruck, können Weißdorn-Zubereitungen helfen.

In der Volksmedizin und Erfahrungsheilkunde verwendet man auch die roten, mehligen Früchte des Weißdorns, die eine den Blättern und Blüten ähnliche Zusammensetzung und vergleichbare Wirkung haben. Neben der Herzstärkung sind in der Volksheilkunde Kreislaufstörungen, Kopfschmerzen und Migräne Anwendungsschwerpunkte für diese Heilpflanze.
Der Wermut
(Artemisia absinthium)
WermutDer auch „Bitterer Beifuß“ genannte krautige Korbblütler wächst an kargen, trockenen Standorten. Ursprünglich ist er in Südeuropa, Asien und Nordafrika beheimatet. Mönche brachten die Heilpflanze im Mittelalter nach Mitteleuropa und kultivierten sie in den Klostergärten.

Verwendet werden das geschnittene Kraut sowie die Blätter des Wermuts, dessen wertbestimmende Inhaltsstoffe 0,3 - 1,5 % ätherisches Öl, Sesquiterpen-Bitterstoffe, Flavone und Gerbstoffe sind. Heutzutage wird der Wermut meist als Tee zubereitet.

Schon im antiken Griechenland sowie in Ägypten wurde der Wermut mit seinen Bitterstoffen vorrangig zur Appetitanregung sowie zur Unterstützung der Verdauung verwendet. Die lateinische Gattungsbezeichnung des Wermuts verweist auf die griechische Jagdgöttin Artemis, die auch als „Mutter der Kräuter“ bezeichnet wird. Im Mittelalter setzte man den Wermut darüber hinaus bei Verwurmung und Erschöpfungszuständen ein. In der Volkskunde bedient man sich dieses Heilkrauts zudem zur Regeneration nach Erkrankungen und bei Schwächezuständen. Der Wermut ist so auch ein zentraler Bestandteil des universellen Heilmittels der Volkskunde, des Schwedenbitters.

In der modernen Phytotherapie konnten appetitanregende, verdauungsstärkende, entzündungs- und das Bakterienwachstum hemmende sowie das zentrale Nervensystem anregende Wirkungen des Wermuts nachgewiesen werden. Neueren experimentellen und klinischen Studien zufolge, soll der Wermut auch positive Effekte bei Malaria, der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn, bei Tumorzellen sowie auf die Gedächtnisleistung von Alzheimer-Patienten haben.
Die Zaubernuss
(Hamamelis virginiana)
Zaubernuss Die „Virginische“ Zaubernuss stammt aus Nordamerika und ist erst im 18. Jahrhundert zu uns gekommen. In den Gärten und Parkanlagen blüht der Strauch bereits im Spätwinter leuchtend gelb und ist damit auch optisch eine Ausnahmeerscheinung.

Bereits die nordamerikanischen Ureinwohner nutzten die Heilkraft der Zaubernuss vor allem bei Verletzungen jeder Art, wie Hautrissen und -abschürfungen sowie Frostbeulen, und gaben später ihr Wissen an die ersten europäisch stämmigen Siedler weiter. Das „Wundermittel“ Zaubernuss wurde auch innerlich bei Durchfall, Fieber, Erkältungen und Augenentzündungen eingesetzt. In unseren Breiten kam der vermehrte Einsatz der Hamamelis erst in den 1930er Jahren als Wundheilmittel auf.

Es werden sowohl die Blätter als auch die Rinde des Strauches medizinisch genutzt. Hamamelis ist eine Gerbstoffdroge. In den Blättern sind 3 – 8 %, in der Rinde 8 – 12 % Gerbstoffe enthalten. Darüber hinaus findet man Proanthocyanidine, Flavonoide, etwas ätherisches Öl sowie Kaffeesäurederivate in den Blättern. Man stellt als Arzneizubereitungen sowohl wässrige Auszüge und wässrig-alkoholische Extrakte als auch wässrige Destillate („Hamameliswasser“) her.

Die Wirkungen der Zaubernuss sind vielfältig. Sie wirkt keimtötend, entzündungshemmend, zellschützend, zusammenziehend, blutstillend, gewebeverdichtend, wundheilungsfördernd, sekretionshemmend und auch juckreizstillend.

Daher wird die Hamamelis vorrangig bei Wunden sowie Schleimhautentzündungen in Mund und Darm angewendet. Doch auch bei Neurodermitis, Hämorrhoiden, Venenentzündungen und bestimmten allergischen Erkrankungen ist die Zaubernuss die Heilpflanze der Wahl.

Darüber hinaus ist sie Bestandteil vieler Kosmetika, Cremes, Salben und Rasierwasser.