Kälber und ihr Immunsystem – oder von nichts kommt (fast) nichts

Das Immunsystem

Das Immunsystem ist das Abwehrsystem des Körpers. Es schützt ihn vor fremden Stoffen und Krankheitserregern. Unser Körper hat einen angeborenen Schutzschild, der von Geburt an aktiv ist.

Bekanntermaßen kommen Kälber aber im Gegensatz zu uns Menschen ohne eigene Immunabwehr zur Welt. Grund dafür ist die unterschiedlich aufgebaute Plazenta.

Die Plazenta, ein während der Trächtigkeit ausgebildetes Organ, sorgt für den Austausch von Stoffwechselprodukten zwischen mütterlichem und fetalem Blut, sowie für die Bildung von Hormonen. Bei Huf- und Klauentieren lässt die Plazenta jedoch keine Übertragung von Antikörpern vom Muttertier zum Fötus zu.

Das bedeutet, dass Neugeborene mit der Geburt die sterilen Gegebenheiten des mütterlichen Uterus verlassen und zunächst weitestgehend schutzlos auf eine keimreiche Umwelt treffen. Denn Kälber werden zwar immunkompetent aber überwiegend immunnaiv geboren.

Passive und aktive Immunisierung

Im Klartext heißt das, dass Kälber im Falle einer Infektion zwar Antikörper bilden können (aktive Immunisierung), aber unmittelbar nach der Geburt keine Antikörper in ihrem Blut zirkulieren. Bis zum Alter von ca. einem Monat ist die produzierte Menge an Antikörpern so gering, dass sie kaum Schutz gegen Infektionserreger bietet. Das zeigt wie wichtig die passive Immunisierung über die Biestmilch ist.

Die über das Kolostrum passiv erworbene Immunität baut sich aber mit der Zeit langsam ab und lässt nach vier bis 6 Wochen nach. Wie in der Abbildung zu sehen ist ergeben sich in den ersten Lebenswochen des Kalbes zwei Immunitätslücken:

  1. direkt nach der Geburt vor der Aufnahme der Biestmilch
  2. vier bis sechs Wochen nach der Geburt, wenn die passive Immunität bereits nachlässt, die aktive Immunität aber noch nicht aufgebaut ist.

Grafik

Wichtige Unterstützung

Mit dem Wissen um die mangelnde Immunabwehr unserer neugeborenen Kälber, wird noch deutlicher, wie wichtig unterstützende Maßnahmen zur Gesunderhaltung sind.

Für die erste Immunitätslücke direkt nach der Geburt ist vor allem die Hygiene bei der Kalbung essenziell. Ganz wichtig dafür: eine saubere, frisch eingestreute Abkalbebox, die auch nicht ausnahmsweise zur Krankenbox umfunktioniert wird. Zwar kann auch hier keine keimfreie Umgebung, wie im Mutterleib geschaffen werden, aber die Keimzahl ist doch deutlich reduziert. Auch ggf. verwendete Utensilien zur Geburtshilfe (Stricke, Geburtshelfer, etc.) müssen unbedingt sauber sein.

Selbstverständlich gilt das auch für die anschließende Aufstallung und das Tränkemanagement. Eine saubere Kälberbox (ohne kuhgebundene Aufzucht) und frisch gereinigte Tränkeeimer mit neuem Nuckel helfen die kleinen Kälber vor Keimen zu schützen. Denn gerade in den ersten Lebenswochen sind Kälberdurchfälle die häufigste Krankheitsursache und oftmals durch zu hohen Keimdruck verursacht. Bei Durchfallerkrankungen ist eine Stabilisierung des Wasser- und Elektrolythaushaltes lebensnotwendig für die kleinen Kälber. Ferm oder Ferm B (für Biobetriebe) als Diät-Tränke eingesetzt, führt leicht verdauliche Nährstoffe und Elektrolyte zu und unterstützt dabei die Abwehrkräfte und die Darmgesundheit.

Zur zusätzlichen Unterstützung des Immunsystems hilft Immulon Dr. Schaette als anthroposophisches Arzneimittel mit der Kraft des Sonnenhuts Infektionen vorzubeugen.

Stressoren vermeiden

Auch in der weiteren Kälberaufzucht gilt es den Tieren möglichst optimale Bedingungen zu schaffen, um auch die zweite Immunitätslücke gut zu überstehen. Neben Hygiene und angepasstem Tränke- bzw. Fütterungsregime sollte auch Stress weitestgehend vermieden werden. Denn Stress schwächt das Immunsystem zusätzlich und steigert die Krankheitsanfälligkeit der kleinen Kälber.

Solche Stressoren können beispielsweise sein:

  • Umstallen / Gruppenwechsel
  • Transport
  • Schlechte Haltungsbedingungen
  • Behandlungen (auch Impfen)
  • Enthornen
  • Umstellen der Fütterung
  • Qualitativ schlechtes Futter

Nötige Maßnahmen sollten nicht gleichzeitig durchgeführt werden. Lieber die Arbeiten verteilen und einige Tage dazwischen verstreichen lassen. Besonders das Enthornen der Kälber sollte nicht zu dieser Zeit durchgeführt werden.

Auch Wetterumschwünge, nasskaltes Wetter und große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, wie jetzt im Herbst, sorgen für zusätzliche Belastung des noch anfälligen Immunsystems. Das Wetter können wir zwar nicht ändern, aber durch optimierte Haltungsbedingungen (zugluftfrei etc.) und die unterstützende Wirkung ätherischer Öle kann Atemwegserkrankungen vorgebeugt werden. Hier empfiehlt sich der vorbeugende Einsatz von Bronch-AromⓇ BBronch-AromⓇ B kann über ganze Tiergruppen verabreicht werden und sorgt so für einen entspannten Herbst im Kälberstall.

Kurz und gut

Alles Wichtige für eine erfolgreiche Kälberaufzucht finden Sie auch zusammengefasst auf unserer Microsite kaelbergesundheit.de.
Hier können Sie sich auch zu unserer Herbst-Webinar-Reihe „Gesunde Kälber bringen den Erfolg von morgen“ anmelden. In drei kurzweiligen und informativen Webinaren erfahren Sie alles zur Gesunderhaltung Ihrer Kälber in den ersten Lebenswochen. Die Teilnahme ist für Sie kostenlos.

Vorschau

Vielleicht wundern Sie sich jetzt, warum in diesem Ratgeber-Text kaum die lebenswichtige Biestmilchgabe angesprochen wird?

Keine Sorge. Im kommenden November-Newsletter erfahren Sie alles über das Kolostrum als weltweit bestes Mittel für gesunde Kälber.

Themen: Immunsystem
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