Rinder: Das Mikrobiom des Euters – Abwehrmechanismus gegen pathogene Keime

In letzter Zeit liest man immer wieder vom „Mikrobiom“. Doch was ist das überhaupt?
Der Begriff leitet sich von mikros (klein) und bios (Leben) ab. Gemeint ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die ein vielzelliges Lebewesen natürlicherweise besiedeln.

Wir Menschen haben über zehn Mal mehr Mikroorganismen, also Bakterien und Pilze, als Zellen im Körper. Insgesamt nehmen diese Mikroben rund zwei Kilogramm unseres Körpergewichts ein, da sie deutlich kleiner als die Zellen sind. Im Körper gibt es verschiedene Teil-Mikrobiome. So haben wir in der Mundhöhle eine andere natürliche Keimflora als unter den Achseln, im Darm, im Uro-Genitalbereich oder auf den Fußsohlen. Am bekanntesten sind für uns die Darmflora sowie eventuell noch die Hautflora.

Superorgan Mikrobiom?

Die Forschung zum Mikrobiom steht noch ganz am Anfang. Es wird inzwischen wie ein eigenständiges Organ betrachtet und erfüllt so vielfältige Aufgaben, dass einige Wissenschaftler sogar vom „Superorgan“ reden, einem der zentralen, medizinischen Forschungsfelder der Zukunft. Neue Erkenntnisse könnten viele Fragen beantworten und unser Verständnis für physische sowie psychische Krankheiten völlig umgestalten.

Gesunde Darmflora, alter Hut?

Längst wissen wir, dass eine intakte Darmflora essentiell für die Verdauung, die Synthese bestimmter B-Vitamine und kurzkettiger Fettsäuren, die Entgiftung von Fremdstoffen, die Bekämpfung von Entzündungen sowie die Stimulation des Immunsystem ist. Doch ein verändertes Mikrobiom im Darm scheint auch an der Entstehung von Darmkrebs, Arthritis, bestimmten Autismus-Formen, multipler Sklerose, Demenz, Allergien und Depressionen sowie Angstzuständen beteiligt zu sein. Darüber hinaus beeinflusst die mikrobielle Bevölkerung im Darm nach neueren Erkenntnissen sogar die Persönlichkeit des Menschen. Über die so genannte „Darm-Hirn-Achse“ werden bestimmte Funktionen im Hirn von der Darmflora gesteuert, so auch psychische Störungen und neurologische Erkrankungen. Die „Kommunikation“ erfolgt dabei via Mikrobiom. So synthetisieren Bifidobakterien im Darm die Aminosäure Tryptophan, welches die Grundlage für das „Glückshormon“ Serotonin ist.

Konsequenzen aus der Mikrobiom-Forschung?

Die Bedeutung des Mikrobioms wurde lange Zeit völlig unterschätzt. Aufgrund der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse sollten wir alles dafür tun, eine intakte, natürliche Keimflora zu pflegen, wo immer wir sie vorfinden, und sie zu regenerieren, wo sie beeinträchtigt wird. Vielen wird erst langsam klar, dass eine gesunde Keimflora auch außerhalb des Darms von immenser Bedeutung für die Gesundheit der Organsysteme ist.

Fokus Eutergesundheit

Noch bis vor kurzem nahm man an, das Euterinnere einer gesunden Milchdrüse sei steril, und dort auffindbare „Keime“ wären Zeichen einer Infektion. Doch inzwischen haben umfangreiche Forschungsarbeiten durch Gensequenzierung die unterschiedliche mikrobielle Besiedlung der Euterhaut, an der Strichkanalöffnung, im Zitzenkanal sowie den Milchgängen und der Zisterne genauer aufgeschlüsselt. Und man geht von einem Mikrobiom auch im Euter aus, welches für dessen Gesunderhaltung essentiell ist. Störungen des Immunsystems, beispielsweise durch Stress verursacht, verändern die Zusammensetzung der Bakterien-„Wohngemeinschaft“, gewissermaßen des „Ökosystems Euter“, und begünstigen dadurch die Entstehung von Mastitiden. So meint man inzwischen auch erklären zu können, warum einige Kühe anfälliger als andere sind, und warum bei klinischen Mastitiden oft auch kein Erreger nachweisbar ist. „Eigentlich wissen wir gar nicht so viel über die Entstehung von Mastitis…“, hieß es dazu von Wissenschaftlern der Universität von Wisconsin auf der NMC Mastitiskonferenz 2019.

Fakt ist, dass stets Konkurrenz um Platz und Nahrung zwischen guten Keimen (Mikrobiom) und pathogenen Keimen besteht. Somit muss es unsere Aufgabe sein, die „bösen“ Bakterien in Schach zu halten. Denn Probleme entstehen immer dann, wenn die Zusammensetzung des „mikrobiellen Zoos“ aus dem Gleichgewicht gerät. Eine Keiminvasion macht dann krank, wenn das Mikrobiom kippt. Es gibt Mastitis-Forschungsprojekte, die sich damit befassen, ob es sinnvoll ist, Lactobacillen anstelle von Antibiotika zur Unterstützung der natürlichen Mikroflora ins Euter einzubringen.

Mikrobiom Zitzenhaut = erste Abwehrlinie des Euters

Die wesentliche Frage ist jedoch, wo die Keimabwehr des Euters beginnt. Die erste Abwehrlinie des Euters ist das Mikrobiom, die Keimflora auf der Haut der Striche. Hier muss man ansetzen, um eine Vermehrung pathogener Keime (Mastitiserreger) sowie deren Invasion ins Euter zu verhindern. Das Zitzendippen ist Standard in der Euterhygiene. Problematisch ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass jegliche Applikation von Desinfektions- und Reinigungsmitteln die gute Keimflora beeinträchtigt – auf der Zitzenhaut sowie am Eingang des Strichkanals. In der Folge verändert sich auch das Hautmilieu zugunsten pathogener Keime. Mindestens zwei Mal pro Tag wird das Mikrobiom der Zitzenhaut mit keimtötenden Substanzen „geduscht“. Hier ist aktiv gegenzusteuern, um dafür zu sorgen, dass die natürliche Hautflora die Oberhand behält. Die zentrale Frage ist somit, welche Bakterien und Pilze sich nach dieser täglichen Desinfektionsdusche schneller regenerieren, die guten aus der natürlichen Hautflora oder die pathogenen Keime. Aufgabe ist es somit, das Mikrobiom gezielt zu „füttern“, damit dieses einen Vorteil im Wachstum gegenüber den Erregern hat. Dabei kann man es sich zunutze machen, dass das Mikrobiom andere „Fress-Prioritäten“ als die „bösen Jungs“ hat.

Dieses Wissen nutzen, was tun?

Bereits seit dem Jahr 2013 haben wir bei Dr. Schaette das Mikrobiom der Euterhaut im Blick und setzen daher in unseren innovativen Dippmitteln (AMS)Sprüh-Dipp-Film sowie Sprüh-Lacta-Dipp® auf spezifische Prebiotika. Dieses sind spezielle Zuckerverbindungen (Alpha-Oligoglucane), die selektiv die nützlichen Bakterien nähren. Das Mikrobiom kann dieses Futter besser verwerten und hat damit eine höhere Wachstumsgeschwindigkeit. In-vitro Studien bestätigen, dass das in den Dr. Schaette Dippmitteln eingesetzte Prebiotikum selektiv von den Mikroorganismen der natürlichen Hautflora (z.B. Lactobacillus pentosus u.a.) verstoffwechselt werden kann, nicht jedoch von pathogenen Keimen, wie etwa Staphylococcus aureus. In direkter Konkurrenz mit S. aureus setzen sich die erwünschten Mikroben durch und schränken das Wachstum der pathogenen ein. Es wurde auch gezeigt, dass das Prebiotikum von krankmachenden, unerwünschten Hefestämmen nicht verwertet werden kann. Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil für das Mikrobiom der Zitzenhaut, der ersten Verteidigungslinie des Euters.

Untersuchungen von Prof. Volker Krömker belegen, dass die Applikation von Sprüh-Dipp-Film auch zu einer signifikanten Senkung der Keimdichte äskulinspaltender Streptokokken (Streptococcus uberis, Enterokokken) auf der Zitzenhaut führt. Da vor allem Sc. uberis zu den häufigsten Mastitiserregern in unseren Milchviehherden zählt, wurde dieser Effekt einer Verschiebung in der Zusammensetzung der Hautflora als „sehr positiv“ bewertet.

Fazit

Milchviehhalter dürfen von zeitgemäßen Dippmitteln mehr erwarten als Keimabwehr durch Abtöten der Erreger oder Aufbringen eines Barrierefilms plus Pflege der Striche. Innovative Dippmittel der Marke Dr. Schaette stärken als drittes Standbein zusätzlich das Mikrobiom der Zitzenhaut.

Themen: Euter
Passende Artikel
AMS-Sprüh-Dipp-Film AMS-Sprüh-Dipp-Film
Inhalt 60 Liter (5,59 € * / 1 Liter)
ab 335,58 € *
Nettopreis: 282,00 €
Sprüh-Lacta-Dipp® 25 l Kanister inkl. Auslaufhahn Sprüh-Lacta-Dipp®
Inhalt 10 Liter (6,78 € * / 1 Liter)
ab 67,83 € *
Nettopreis: 57,00 €
Sprüh-Dipp-Film 10 l Kanister inkl. Auslaufhahn Sprüh-Dipp-Film
Inhalt 10 Liter (7,26 € * / 1 Liter)
ab 72,59 € *
Nettopreis: 61,00 €