Gesundheit aus der Wildnis-Stressbewältigung

Stress entsteht, wenn wir eine Belastung nicht bewältigen können, oder zumindest glauben das nicht zu können. Dieses Gefühl kennt sicher jeder. Der Körper reagiert darauf mit physiologischen Veränderungen: der Blutdruck und die Muskelspannung steigen, das Herz schlägt schneller und die Atmung wird intensiver. Die Verdauung dagegen wird zurückgefahren, weswegen Stress auch gerne mal „auf den Magen schlägt“. Denkt man zurück an seine Schulzeit, erinnert sich der eine oder andere bestimmt, daran wie man vor der wichtigen Prüfung keinen Bissen herunterbekommen hat. Doch nicht nur physische Veränderungen werden durch Stress hervorgerufen, auch Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen werden beeinträchtigt.

Ähnlich ist das auch bei den Tieren. Auch sie reagieren auf kurzfristigen Stress durch verstärkte Energiemobilisation um besser kämpfen und flüchten zu können. Auch das Schmerzempfinden wird zeitweise gedämpft und die Sinne geschärft. Andere Funktionen des Körpers, wie Wachstum und das Immunsystem werden zurückgestellt. Für Ausnahmesituationen, die nur kurz andauern, wie beispielsweise Gefahr, sind diese Körperreaktionen sehr effektiv. Bei langanhaltendem Stress wirken sie sich jedoch negativ aus, führen zu Erschöpfung und machen das Tier anfälliger für Krankheiten.

Wildtiere sind ständig solcher Belastungssituationen ausgesetzt, da schon die Anwesenheit eines ranghöheren Herdenmitglieds zu Stress führen kann. Daher müssen sie einen Weg finden das mentale Gleichgewicht schnellstmöglich wieder herzustellen.

Paviane zum Beispiel beginnen, nach einem Kampf mit Artgenossen, ihr Fell zu pflegen, schütteln sich und gähnen, um die Anspannung zu lösen. Aus Experimenten, bei denen die Blutspiegel der einzelnen Stresshormone aufgezeichnet worden sind, geht hervor, dass diese, auf sich selbst Hundgerichteten, Verhaltensweisen stark beruhigend wirken.

Im Laborversuch haben Mäuse, die unter akutem emotionalem Stress standen, das zur Verfügung gestellte Morphin zu sich genommen. Morphin wirkt nicht nur schmerzlindernd, sondern dämpft auch seelische Auswirkungen. Die Gruppe ohne Stress dagegen hat kein Morphin aufgenommen.

Inwieweit Tiere selbst ihre seelischen Zustände durch Ernährung beeinflussen, wurde bisher nicht genauer erforscht. Jedoch wurden beispielsweise im niederländischen Apenheul-Zoo Affen, die unter Bluthochdruck litten, eine Auswahl an medizinisch wirksamen Pflanzen angeboten. Die Tierpfleger stellen fest, dass die Tiere nach Auseinandersetzungen begannen Baldrian zu fressen. Eine Pflanze, die zur Beruhigung und zur Bluthochdrucksenkung eingesetzt wird.

Bei Hunden dagegen konnten z.B. Zwangsneurosen durch Futterumstellungen behandelt werden. Somit scheint sicher, dass Nahrungsbestandteile Auswirkungen auf die Stimmung haben und Stresssituationen abmildern können.